Jahrbuch für Volkskunde und Museologie des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau, 1. - 10. Jg., 1987 - 1997.

Das „Jahrbuch für Volkskunde und Museologie des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau“ erscheint seit 1987 und widmet sich in seiner Berichterstattung der musealen Praxis, der Umsetzung und Vermittlung im Museum sowie diversen Ausstellungsthemen.

Der Herausgeber des Jahrbuches, Hartmut Prasch, zugleich Leiter des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau (Museum für Volkskultur), sieht als Ziel dieser Publikation, das interdisziplinäre Arbeiten im Volkskundemuseum zur Diskussion zu stellen, um so der volkskundlichen Museologie Impulse zu geben. Der Präsident des Vereins Bezirksheimatmuseum Spittal/Drau, ABgm. Hatz formuliert die Zielsetzung so: „Das Jahrbuch soll Sprachrohr für die in Oberkärnten entwickelten Neuerungen, Aktivitäten, Arbeitsergebnisse etc. sein“ (1. Jg., 1987). In der Folge beschränkt sich das Jahrbuch inhaltlich nicht nur auf Oberkärnten, sondern bezieht die sogenannte Alpen-Adria Region mit ein.

Das Jahrbuch erscheint im Eigenverlag, finanziert mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums beziehungsweise des Unterrichtsministeriums, der Kärntner Landesregierung, der Gemeinde Spittal/Drau und durch Inseratschaltungen.

Jeder Band ist nach folgender Gliederung aufgebaut:

Der erste Teil widmet sich Abhandlungen zu einem bestimmten volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Schwerpunktthema. Daran schließt ein zweiter Teil mit Berichten über Aktivitäten des Vereines und anderer Museen, vorwiegend im oberkärntner Raum. Den dritten Teil bilden Rezensionen über volkskundliche (vorwiegend Kanonthemen), historische, museologische und auch allgemein kulturwissenschaftliche Werke.

Den Abschluß bildet ein Überblick über Planungen für das kommende Jahr und Neuerscheinungen im Rahmen des Vereins. Das Verzeichnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enthält leider außer der Adresse keine weiteren biographischen Angaben.

Der 1. Jahrgang behandelt das Thema Museumspädagogik und ist das Ergebnis eines Seminars und eines Workshops, an denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums teilgenommen haben, und einer Projektwoche im Bezirksheimatmuseum selbst. Im Juni 1988 fanden die „1. Spittaler Gespräche zu Volkskulturfragen“ mit dem Schwerpunkt „Historische alpine Ackerbautechniken“ statt, ihre Ergebnisse wurden im 2. Jahrgang des Jahrbuches „Geräte-forschung“ präsentiert. In der Folge entsprachen die Abhandlungen in den Jahrbüchern den Themen der jährlich abgehaltenen Spittaler Gespräche. Die Jahrgänge 1989 bis 1995 haben somit folgende Generalthemen: „Volkskunde im Museum“ (3. Jg.), „Brauchtum heute“ (4. Jg.), „Museologische Ausbildung“ (5. Jg.), „Magie - Religion - Volksglauben“ (6. Jg.), „Regional- und Lokalmuseen“ (7. Jg.), „Handwerkskunst - Kunsthandwerk“ (8. Jg.) und „Neue Museumskonzepte“ (9. Jg.). Der bislang letzte Band ist eine Sonderausgabe und umfaßt die Jahre 1996 und 1997 (10. Jg.). Sie ist dem Gründer des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau, Helmut Prasch, gewidmet, der im Dezember 1996 verstorben ist. Die Abhandlungen stellen Essays von Helmut Prasch vor, die sich thematisch vorwiegend auf sein Forschungsgebiet Kärnten beziehen. Als Beispiele: „Vom Heuzeug der Oberkärntner Bauern“ (S. 51-55), „Dünste, Säfte, Öle in der Volksmedizin“ (S. 104-124), „Villen und Landhäuser“ (S. 134-135), „Kleinkram der Manderleut“ (S. 145-151).

Der 9. Jahrgang mit dem Schwerpunkt „Neue Museumskonzepte“ wird mit einem Artikel von Georg Hanreich (Bundesdenkmalamt, Museumsabteilung) eingeleitet, in dem er über „Aktuelle Museumstrends in Österreich“ (S. 13-20) berichtet. Er stellt drei Trends in der österreichischen Museumslandschaft fest, nämlich die zunehmende Konzepterstellung durch Fachleute, vermehrte Spezialisierung und einen Trend zu Metastrukturen. Außerdem geht er auf die neuesten Entwicklungen in einzelnen Bundesländern ein. Verschiedene Museen werden vorgestellt, die in den letzten Jahren neukonzipiert wurden, so zum Beispiel das Urzeitmuseum Nußdorf ob der Traisen oder der Kulturpark Kamptal in Niederösterreich, weiters das Widerstandsmuseum in Ebensee, das Handwerkermuseum Bad Hall und das Museum des Störhandwerks in Neukirchen an der Vökla. Hanreich betont die Wichtigkeit der Arbeit von Spezialistinnen und Spezialisten im Museum, da nur die Professionalisierung die Museen auch zu einem wirtschaftlichen Faktor machen könne. Als Beispiele für Metastrukturen nennt er unter anderem die Textilstraße, die Eisenstraße und die Industriestraße. Hanreich bedauert, daß ein bundesländerweites Museumskonzept nur in Oberösterreich, eingeschränkt auch in Niederösterreich, erarbeitet wurde.

Albrecht Gribl (Landesstelle für die Nichtstaatlichen Museen in München) leitet seinen Artikel „Vom Erkennen zum Erleben? Tendenzen und neue Konzeptansätze in der bayrischen Museumsarbeit“ (S. 21-38) mit Neuansätzen in der Museumslandschaft ein, die sich in den 1970er und 1980er Jahren ergaben. Inhaltliche Trends sieht er in der Behandlung folgender Themen: Industrialisierung, Judentum, Frauen - Frauenarbeit - Familie (hier wird leider wieder einmal Frau und Familie gleichgesetzt), Umwelt/Ökologie und Zeitgeschichte, worunter er die Beschäftigung mit dem Ende des 2. Weltkriegs und den Bedeutungsgewinn der Europäischen Union versteht. Als konzeptionellen Trend arbeitet er die Erlebnisfunktion des Museums heraus. Nach der kühlen Ästhetik der letzten beiden Jahrzehnte sollen nun wieder alle Sinne angesprochen werden. Er beurteilt dies prinzipiell positiv, warnt aber auch vor einer Banalisierung und Verflachung des Museums.

Hartmut Prasch umreißt den neuen Trend im Museumswesen wie folgt: „‘Benutzerfreundlichkeit’ und ‘Informationsservice’. Zwei Schlagwörter neuer Museumskonzeptionen“ (S. 39-51) und schließt damit an Gribls Artikel an. Prasch stellt die praktische Umsetzung dieser Begriffe im Museum für Volkskultur Spittal/Drau vor. Das erste Geschoß des Museums beschäftigt sich mit Themenschwerpunkten wie zum Beispiel Volksglaube, Kindheit, Alpinismus. Die Konzeption sieht die Nähe zum Objekt vor. Raum- und Objekttexte in Deutsch, Englisch, Italienisch und Slowenisch liefern die Informationen. Im Dachgeschoß befindet sich eine Studiensammlung („Leben und Arbeiten des Bauern im alpinen Raum“). Hier sind über EDV die Karteiblätter der Objekte abrufbar. Abschließend geht Prasch auf die Museumsbegleiter und die zusätzlichen Arbeitsmaterialien ein, die das Museum zur Verfügung stellt, sowie auf die Führungen, die Schülerprogramme und das MUKI (Museum für Kinder).

Angelika Tunis (Museum für Völkerkunde, Berlin) zieht in ihrem nicht klar strukturierten Artikel „Museum für Völkerkunde, Volkskunde oder Heimatmuseum. Eine Institution in der Krise“ (S. 53-69) Bilanz über die Entwicklung, die Ziele und neueren Bestrebungen dieser Institutionen. Ein Abriß über die Anfänge der Museen in Form der Kunst- und Wunderkammern und ihre Weiterentwicklung, die an wirtschaftliche Prosperitätsphasen gebunden ist, leitet über zu einer Darstellung von Problemen in Völkerkunde- und Volkskundemuseen, die sich heute inhaltlich nicht mehr klar trennen ließen. Sie führt die Notwendigkeit einer Neugestaltung vor dem Hintergrund verschiedener Museumskonzeptionen (Ecomusée, Nachbarschaftsmuseum, regionale Naturparks ...) aus. Dabei verweist sie auf diverse Veranstaltungen in Deutschland, bei denen diese Frage bereits andiskutiert wurde, beispielsweise die Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde. Tunis sieht die neuformulierte „Neue Museologie“ als Chance, den Museen wieder mehr Erlebniswert zukommen zu lassen. Das sei durch einen - leider nicht näher beschriebenen - „dynamischen Prozeß des Suchens nach innovativen Formen der Museumsarbeit“ (S. 65) zu erzielen.

Fritz Rathke (Mitarbeiter bei der Um- und Neugestaltung des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau) berichtet in seinem Artikel „Museale Gestaltungsüberlegungen am Beispiel des ‘Museums für Volkskultur’“ (S. 71-81) über die Vorüberlegungen und Vorerhebungen zur der 1992/93 durchgeführten Neugestaltung des Museums. Ausgehend von den beiden Betrachtungspositionen Vermittlung und Gestaltung entwirft er ein Anforderungsprofil, das sich auf Ergebnisse aus Gesprächen mit Jugendlichen und Schülern stützt. Er bezieht dieses Anforderungsprofil auf die Wahrnehmungsebenen des Betrachters: Raum, Design, Objekt, deren praktische Umsetzung im Museum für Volkskultur er ausführlich erläutert.

Thomas Werner (Technisches Museum, Wien) schreibt über „Technikmuseen und Science Centres: der kleine oder große Unterschied. Der (nicht ganz unpolemische) Versuch einer Annäherung“ (S. 83-88) und streicht die Unterschiede dieser Institutionen heraus. Die im Kommen begriffenen Science Centres werben nicht mit Originalobjekten, da im Unterschied zu den Technischen Museen keine historische Entwicklung aufgezeigt werden soll, sondern die technische Umsetzung eines naturwissenschaftlichen Prinzips. Kritisch regt er zur Diskussion über die Dimension der menschlichen Verantwortlichkeit für die Technik in den Science Centres an.

Heimo Schinnerl (Landwirtschaftsmuseum Schloß Ehrental) stellt „Das Landwirtschaftsmuseum Schloß Ehrental - Ein Museum neuer Art“ mit seinem „Sammlungsbestand, Ausstellungsinhalt, pädagogische[n] Programme[n]“ (S. 89-100) vor. Das im Mai 1993 im Agrarzentrum Schloß Ehrental eröffnete Museum zeigt „die Geschichte der Kärntner Bauern“ (S. 89), deren Arbeitswelt und Hilfsmittel mit der Betonung des Überganges von der vorindustriellen zur industriellen Gesellschaft. Abschließend berichtet er über diverse museumspädagogische Veranstaltungen.

Stefan Zoltan (Heinrich Harrer Museum, Hüttenberg) geht in seinem Aufsatz „‘Populär, Modern, Profitabel’ - Reizwörter der Museologie“ (S. 101-106) auf das vordringliche Problem einer mangelhaften Öffentlichkeitsarbeit ein. Er propagiert die Einsetzung von Marketingstrategien im Bereich der Vermittlung und streicht damit den „Verkaufsaspekt“ von Museen hervor, wobei er sich auf den Marketingregelkreis von W. Disch bezieht (Qualitative Marktdaten, Konkurrenz- und Unternehmensanalyse, Marktsegmentierung und Zielgruppendefinition...).

Die Berichte des 9. Jahrgangs stellen folgende Aktionen und Ereignisse vor: 85. Geburtstag von Helmut Prasch, European Museum of the Year Award (Special Commendation 1995 für das Bezirksheimatmuseum Spittal/Drau), die Ausstellungen „Die ganze Welt ist Bühne“, „Weihnachtskrippen in Oberkärnten“, „Holz im täglichen Leben“ (Museumsbus) des Bezirksheimatmuseums, MUKI ‘95, das dörfliche Ausstellungszentrum im „Türkhaus“ in Kaning, 7. Österreichischer Museumstag, Untersuchung der Abschnittsbefestigung am „Dabor“ in Radenthein.

Abschließend sei darauf hingewiesen, daß die Gestaltung im Blocksatz, der in einigen Jahrgängen Verwendung findet, das Lesen erschwert. Durchgehende Bildunterschriften würden den Informationsgehalt des Jahrbuchs für Volkskunde und Museologie des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau abrunden. Dieses informative, praxisorientierte, sich an aktuellen Themen orientierende, im handlichen A5-Format erscheinende Periodikum ist um 190,-- ÖS zu erwerben.

Brigitte Löcker-Rauter, Kathrin Pallestrang

 

  

Jahrbuch für Volkskunde und Museologie des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau, Jg. 11, 1997/98, 174 Seiten

Der vorliegende Jahrgang des Jahrbuch für Volkskunde und Museologie des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau ist in gewohnter Weise in drei Teile gegliedert. Die „Abhandlungen“ widmen sich dieses Mal einem derzeit heftig diskutierten Schlagwort aus der Museumspraxis, nämlich dem Museumsmanagement, und schließen damit an Themen früherer Jahrgänge an. Wie immer, ist der Großteil der Beiträge ein Produkt der „Spittaler Gespräche“, die im Vorjahr im Juni abgehalten wurden. In den „Berichten“ werden neue Entwicklungen im Bezirksheimatmuseum und dessen Außenstellen erläutert. Anschließend an den Abschnitt „Rezensionen“ werden wieder die Neuerscheinungen sowie die Pläne des Museums für das kommende Jahr vorgestellt. Leider enthält das Verzeichnis der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Jahrbuch auch diesmal wieder außer den Adressen keine näheren biographischen Angaben.

Mit einem brisanten und wichtigen Thema der aktuellen Museumsdiskussion eröffnet Albrecht A. Gribl (Landesstelle für die Nichtstaatlichen Museen, München) den ersten Teil des Jahrbuchs. Unter dem Titel Unternehmenssprache im Museum. Zauberformeln versus Praxis in Bayern 1997 (13-30) beschäftigt er sich mit der Relevanz moderner Unternehmensführung im Museum. Da die finanzielle Unterstützung von Einrichtungen wie Museen durch staatliche Institutionen mehr und mehr abnimmt, müssen Museen stärker als bisher genauso wie reine Wirtschaftsbetriebe Management- und Marketingstrategien entwickeln. Gribl nennt als Beispiel die Generaldirektoren der staatlichen bayrischen Museen, die eher Manager als Fachwissenschaftler sind. In dieser veränderten Museumslandschaft stehen kleinere Museen dem Problem gegenüber, daß sehr oft eine einzige Person alle geforderten Aufgaben übernehmen muß und daher alle Kompetenzen - wirtschaftliche und fachliche - in sich vereinigen sollte. Eine der neuen Aufgaben, denen sich große und kleine Museen gleichermaßen stellen müssen, ist das Fund-Raising. Gribl stellt hier eine neue Entwicklung aus den USA vor, die sich besonders für kleinere Museen eignet: die Public-Private-Partnership (PPP), die er in Beispielen leider etwas knapp vorstellt. Als ein weiteres neues Schlagwort im Museumsbetrieb nennt der Autor die Budgetierung. Dies bedeutet einen Einnahmen- und Ausgabenplan und freien Umgang mit den Mitteln. Ein Problem stellen dabei oft übergeordnete Dienststellen dar, die hier wenig Spielraum lassen. Auch die Privatisierung von Reinigung, Restauration, Aufsicht und anderen Bereichen oder des Museums selbst wird zur Zeit heftig diskutiert. Zum Abschluß skizziert Gribl drei unterschiedliche Organisationsformen (Mittelbeschaffung und inhaltliche Konzepterstellung) von Museen anhand konkreter Beispiele aus Bayern. Schließlich weist er darauf hin, daß bei aller Wichtigkeit des Marketing, die inhaltliche Konzeption ihre Vorrangstellung im Museum behalten sollte.

Im Anschluß daran analysiert Hartmut Prasch (Bezirksheimatmuseum Spittal/Drau, Herausgeber des Jahrbuchs) in seinem Artikel Spezialisierung und Dezentralisierung - Schlagwörter regionalen Museumsmanagements (31-42) die Situation der öffentlich und privatrechtlich verwalteten Museen in Kärnten und fordert ein neues Museumskonzept für das Land ein. Es soll dem internationalen Trend im Museumswesen entsprechend mehr Gewicht auf Themenschwerpunkte bei musealen Sammlungen, sprich Spezialisierung, sowie Dezentralisierung, also Auslagerung repräsentativer Spezialsammlungen in den Regionen, gelegt werden. Ein erster Schritt müsse die Einführung eines „Museumsgütesiegels“ sein, welches die Kriterien und Mindestanforderungen für die Bezeichnung „Museum“ festlegt und damit Qualität garantieren soll. Weiters sollte den kleineren lokalen und regionalen Museen von einer zentralen Koordinationsstelle unterstützend, beratend und lenkend unter die Arme gegriffen beziehungsweise die Museumslandschaft Kärnten verwaltet werden, um ein landesweites Museumskonzept verwirklichen zu können.

Wie sich der Begriff „Management“ in der Praxis gestaltet, schildert Rainer Hofmann (Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld) im Artikel Museumsmanagement in einem kleinen Regionalmuseum (43-70). Nachdem er grundsätzliche Unterschiede im Management eines Museums und einer Firma herausarbeitet (Konkurrenz, Kompetenzaufteilung, Produktvermarktung etc.) erläutert er die Entstehungsgeschichte, die Schwerpunkte und die personelle Struktur des Fränkische Schweiz-Museums in Tüchersfeld. Wichtig für ein effizientes Museumsmanagement scheint Hofmann die Kenntnis der Besucherstruktur zu sein, die in diesem Museum im Rahmen von Praktika erhoben wurde. Sie bildet die Basis für Sonderausstellungen, die auch die lokale Bevölkerung immer wieder ins Museum locken können, und für die Öffentlichkeitsarbeit. Dabei wird Wert darauf gelegt, daß eine Identifikation der Anrainerinnen und Anrainer mit dem Museum erfolgt. Diese fungieren dann wieder als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gegenüber Urlaubenden. Weiters wird Pressearbeit betrieben, werden Anzeigen geschaltet und Schülerprogramme organisiert. Personalprobleme werden in Tüchersfeld mittels Voluntärinnen und Voluntären sowie Praktikantinnen und Praktikanten gelöst beziehungsweise werden Arbeitslosenprogramme und Behindertenförderprogramme genützt. Hofmann gibt wertvolle Tips zur Gestaltung von Subventionsanträgen und erläutert Möglichkeiten der Umwegfinanzierung. Er schließt diesen praktisch verwertbaren und anregenden Artikel mit der Erläuterung dreier konkreter Sonderprojekte seines Museums.

Über die Situation der 65 heimatkundlichen, lokal- und regionalgeschichtlichen Museen und deren Organisation in Salzburg berichtet Dagmar Bittricher (Salzburger Volkskultur) in ihrem Beitrag: Museumsmanagement für ein Bundesland. Ausgangssituation - Perspektiven - Defizite (71-85). Die Gründung des ersten Heimatmuseums in Salzburg wird mit 1882 in Hallein angesetzt. Erst in den 1960er bis -80er Jahren kam es zu häufigeren Neugründungen, die schließlich 1980 Anlaß für die Herausgabe eines Museumsführers gaben, der 29 Heimatmuseen erfaßt. 1990 setzte ein wahrer Museumsboom mit durchschnittlich 10 Gründungen pro Jahr ein. Der 1995 neu aufgelegte Museumsführer enthält im Vergleich zu 1980 die doppelte Anzahl an Museen. Die inhaltliche Konzeption hat sich vom Alles-Sammeln in der Entstehungszeit der Museen heute in Richtung Spezialmuseen (Inhalte aus lokal- und regionalgeschichtlichen Ressourcen) bewegt. Bittricher geht ausführlich auf die zwei Institutionen ein, die den Salzburger Heimat-, Lokal- und Regionalmuseen Beratungsdienste anbieten: der Arbeitskreis für Heimatsammlungen im Salzburger Bildungswerk und das Referat der Salzburger Volkskultur im Amt der Salzburger Landesregierung, in welchem die Autorin selbst seit 1995 als Fachkraft tätig ist. Das Arbeitsspektrum des Referates umfaßt die Vergabe von Fördermitteln, die Aufrechterhaltung der Kontakte zu den einzelnen Museen, die Kooperation zwischen Museen und anderen Institutionen, die Organisation von Tagungen und Weiterbildungsseminaren, die Beratung in Museumsbelangen, die Mitarbeit an Projekten, die Inventarisierung der Bestände. Vom Arbeitskreis werden insbesondere pro Jahr eine Frühjahrsexkursion zu in- und ausländischen Museen und eine Herbsttagung in einem Salzburger Heimatmuseum organisiert. Bittricher weist ausdrücklich auf den Bedarf an professionellem Personal in Heimatmuseen hin. Ein Salzburger Museumsmanagement sollte Kooperation mit den Fachleuten der großen Museen einschließen und ein besonderes Augenmerk auf Weiterbildungsangebote und Ausbau gemeinsamer Werbeschienen legen.

Udo B. Wiesinger (Museum Industrielle Arbeitswelt, Steyr) schildert die Entstehung und die inhaltlichen Schwerpunkte des Museums Industrielle Arbeitswelt in Steyr (87-103). Das Museum zeigt basierend auf seinem inhaltlichen Leitgedanken der Stellungnahme für Benachteiligte ohne parteipolitische Vereinnahmung parallele Sonderausstellungen von externen Fachkräften gestaltet und verzichtet auf eine Dauerausstellung. Das Ziel dabei ist, das Lokalpublikum verstärkt anzusprechen. Zu jeder Ausstellung werden eigene Unterlagen für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler gestaltet, außerdem Schulprojekte organisiert. Die Zusammenarbeit mit Schulen beinhaltet auch Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte und Projektunterricht im Museum. Außerdem beteiligt sich das Museum an übergreifenden Projekten wie an der Eisenstraße oder dem „Netzwerk Kultur der Arbeit“. Leider geht Wiesinger in diesem anregenden Artikel nicht auf die konkrete Personalstruktur und die Finanzierung des Museums Industrielle Arbeitswelt ein. Ein weiterer Artikel zu diesen Bereichen in einem späteren Jahrgang wäre für den Leser, die Leserin sicherlich interessant.

In seinem Artikel Auf dem Weg zu einem Museum neuer Art für Südtirol (105-117) stellt Paul Rösch (Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol, Dorf Tirol) das Grobkonzept des Tourismusmuseums Schloß Trautmannsdorf in Meran vor. Der sich vor Ort befindliche Botanische Garten fand dabei besondere Berücksichtigung. Der hierfür gefundene gemeinsame Nenner, „Reise ins Paradies“, verdeutlicht eine Grundidee der Konzeptionierung: den Erlebniswert. Das Museum soll zusätzlich zum Informationsgehalt vor allem Unterhaltung, Vergnügen und Erholung bieten und neben einer Dauerausstellung mit einer öffentlichen Studiensammlung, Wechselausstellungen und Nebeneinrichtungen wie einem Schloßmuseum, einem Kino, einer Kapelle, Seminar- und Vortragsräumen mehr Publikum anziehen. Die thematische Ausrichtung liegt in der Inszenierung der Tourismusgeschichte (vor allem Tirols), also dem Reisen und Urlaub machen ab 1800 als einem neuen Bedürfnis. Weiters soll bewußt mit Museumsshops, Kaffees et cetera. die wirtschaftliche Möglichkeit eines Museums genutzt werden, um eine möglichst hohe Eigenfinanzierung zu erreichen. Leider geht aus dem Artikel nicht hervor, wann das Museum eröffnet wird beziehungsweise ob es bereits eröffnet ist.

In ihrem Beitrag Der Kustos und das Management im Museum (119-124) versucht Irina Zmuc (Mestni Muzej Ljubljana) auf die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit in der Arbeit einer Museumskustodin einzugehen, wobei sie die unzähligen Probleme ihrer eigenen Tätigkeit im Mestni Muzej schildert.

40 Jahre Bezirksheimatmuseum Spittal/Drau e.V. geben Anlaß zu einem Rückblick und einer Leistungsbilanz (127-140), die den zweiten Teil des Jahrbuchs, die Berichte, eröffnen. Hartmut Prasch berichtet ausführlich über die Gründung, die Entwicklung, die Sammlungsschwerpunkte (Alltags- und Gebrauchsgerät) des Museums sowie die Tätigkeitsfelder des Vereins, der 1958 von Helmut Prasch gegründet wurde. Die zunächst in jährlichen, thematischen Sonderausstellungen präsentierten mittlerweile rund 25.000 Exponate aus dem 18. und 19. Jahrhundert werden heute in einer 1991 bis 1993 komplett neukonzipierten Dauerausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Besonderen Wert legt das Museum auf Museumspädagogik und -didaktik, die etwa in den Programmen MUKI, „Museum für Kinder“ seit 1989 und MMM, „Museum macht munter“ (Familienprogramm) seit 1994 besonders zur Anwendung kommen. Die rege Publikationstätigkeit umfaßt Ausstellungs- und Museumskataloge, Tagungsbände, Mitteilungsblätter und eben das seit 1987 herausgegebene Jahrbuch für Volkskunde und Museologie. Unter den zahlreichen Tagungen und Kongressen, die im Spittaler Museum abgehalten werden, sind vor allem die „Spittaler Gespräche“ zu nennen. Neben dem Bezirksheimatmuseum betreut der Verein mehrere lokale Spezialmuseen in der Region Oberkärnten, einen 1991 initiierten „Kärntner Museumsbus“ und unterstützt viele den Oberkärntner Raum betreffende kulturelle Initiativen.

Ebenfalls von Hartmut Prasch ist der folgende Bericht über das Fischereimuseum Seeboden, der ersten Außenstelle des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau. Bei seiner Neugestaltung 1997, die Prasch hier schildert, wurde darauf geachtet, daß die Objekte mit der Raumstruktur des Museumsgebäudes, eines Rauchstubenhauses aus dem 17. Jahrhundert, korrespondieren.

Brigitte Poppernitsch berichtet über das MUKI-Programm 1997 (9. Saison), das sich zwei Schwerpunkte gesetzt hatte (145-147). Im Juni wurde im Schloß Porcia eine „Geisterstunde“ für Kinder inszeniert, wo zwei Schauspieler der Spittaler Komödienspiele Märchen und Gruselgeschichten erzählten. Ein vom 25. bis 28. August abgehaltenes Ferienprogramm stand unter dem Motto: „Kinder der Welt - Welt der Kinder“. Vermittelt wurden die Lebensweisen und -umstände der Kinder aus drei unterschiedlichen Kulturen: die Indianer Nordamerikas, Kinder in China und Japan und schließlich die Aboriginis in Australien.

Das Projekt museum@online ist eine Initiative des BM für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, des ÖKS und der Österreichischen Galerie im Belvedere. Die Teilnahme des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau an diesem Programm schildert Jörg-Wolfgang Herzog (148-150) und rundet damit die Berichte ab: die vierte Jahrgangsstufe der HBLA Spittal gestaltet als Projektunterricht die Webside des Museums, die 1998 fertiggestellt sein soll. Herzog plädiert für eine intensive Beschäftigung von Museen mit neuen Informationstechnologien und weist auch auf deren PR-Potential hin.

Alles in allem bietet auch der elfte Jahrgang des Jahrbuchs für Volkskunde und Museologie des Bezirksheimatmuseums Spittal/Drau, sich an aktuellen Themen orientierend, wertvolle Hinweise und Tips für die Museumsarbeit in der Praxis.

Brigitte Löcker-Rauter, Kathrin Pallestrang